Wir müssen unseren Journalismus retten

Journalisten sind wie Goldgräber
Aus der Masse an Information, aus komplexen Gegebenheiten und permanenter Verschleierung müssen sie das Wesentliche an Wissen heraus schürfen.Durch Beobachtung, Diskussion und Bewertung. Durch Recherche und Quellenpflege. Durch Verifizierung. Als Profession.

Wie ein Goldgräber, der aus viel Gestein etwas Gold schürft. Beide brauchen Beharrlichkeit und müssen Experten ihres Terrains sein. Beide brauchen viel Zeit.

Goldgräberin, Alaska, ca. 1900 (Quelle)


Journalismus ist ein Handwerk

Journalismus, wie wir ihn kennen entsteht allerdings unter industriellen Rahmenbedingungen. Industrielle Prozesse verringern Zeit. Journalisten in Redaktionen haben daher wenig davon. Zeit kostet Geld. Davon gibt es zu wenig, denn Geld für Journalismus kommt primär aus Werbung. Statt an Redaktionen und Journalisten fließt immer mehr Werbegeld an globale Konzerne wie Google und Facebook. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

Also finanziert immer weniger Werbung immer weniger Zeit von Journalisten. Die immer seltener Experten ihres Gebietes sein können. Das bedeutet, dass wesentliches Wissen derzeit oft gar geschürft werden kann.

Es herrschen wunderbare Zeiten für Politiker
Mittellose Redaktionen ohne Zeit zum Recherchieren sind für Politiker ein idealer Umstand. Ein großer Teil der von Journalisten verfassten Inhalte kommt von einer Vielzahl an Pressesprechern und PR-Beratern. Sind also gesteuert. Über taktische Informationsweitergabe oder Nicht-Kommunikation. Über Social Media Profile von Politikern. Über opportunistische Beziehungen zwischen Journalisten und Politikern. Über Inszenierung und Ablenkungsmanöver. Über das kalkulierte Spiel mit automatisierter Aufmerksamkeit durch Presseagenturen. Über Regierungs-Inserate.

Politiker selbst und in Person von PR-Beratern sind also selbst die exklusiven Lieferanten ihrer „eigenen“ Informationen. Journalisten sind darauf angewiesen, anstatt in der Regel eigene Informationen zu erarbeiten.


Die Versorgungssicherheit von wesentlichem Wissen über unsere Stadt, unser Land ist nicht gegeben

Das ist ein überaus kritischer Zustand. Das bedroht unsere Demokratie. Das schadet unserem Land.

Journalismus, der primär über Werbung finanziert wird, ist mittelfristig eine Gefahr für die Sicherstellung von lokalem Wissen. Nicht mehr und nicht weniger.

Wir Bürger müssen uns daher mit Journalisten verbünden und umgekehrt.

Wir müssen durch direkte Bezahlung von neuen digitalen Redaktionen Zeit und Mittel für relevanten unabhängigem Journalismus schaffen.Die gute Nachricht: es ist heute möglich, dass über ein permanentes Crowd Funding mehrere tausend Bürger relevant große, neue, digitale Redaktionen finanzieren. Also über digitale Abonnements.Einige Bürger in unseren Nachbarländern, etwa in der Schweiz (republik.ch) oder in der Slowakei (dennik.sk) tun das bereits. In einem ersten Schritt haben in Österreich die Medien dietagespresse.com und ballverliebt.eu gerade diese Möglichkeit geschaffen. Und das kann und wird erst der Anfang sein.


Wir Bürger müssen der primäre Auftraggeber und Adressat von Journalismus sein
Zu einem primären Zweck: Dass wir Bürger bessere, das heißt fundierte politische Entscheidungen über die Vorgänge in unserer Region treffen. Auf Basis vertrauensvoller Information, die frei ist von den finanziellen oder machtpolitischen Interessen einzelner.

Journalismus muss besser werden, wenn Demokratie überleben soll. Es liegt in unseren Händen.